Mein Weg zum Taekwon-Do
Mein Weg zum Taekwon-Do
Und warum es für mich viel mehr als ein Sport ist
Von Ben Rypalla, Schulleiter des TCN
Ich war 9 Jahre alt – und ehrlich gesagt hatte ich Angst.
Direkt über der Taekwon-Do-Schule zu wohnen, machte es nicht unbedingt leichter. Ich kannte sie vom Vorbeigehen, aber selbst hineinzugehen? Das habe ich mich lange nicht getraut. Bis mir ein Freund aus der Grundschule von seinem Training erzählte. Irgendwann nahm ich meinen Mut zusammen und ging hin.
Heute, 27 Jahre später, weiß ich: Dieser eine Schritt hat mein Leben verändert.

Der Anfang
An meine ersten Trainingseinheiten erinnere ich mich noch gut.
Alles war neu: die Verbeugung, die koreanischen Begriffe, die Etikette und die Disziplin. Ich war unsicher, wurde gefordert – und hatte gleichzeitig unglaublich viel Spaß.
Für einige, die damals mit mir trainierten, war es nicht das Richtige. Für mich schon.
Ich wollte lernen. Ich wollte auf Turniere. Und natürlich wollte ich irgendwann diesen schwarzen Gürtel tragen.
Besonders geprägt hat mich mein Trainer Thomas Flügel. Bei ihm hatte ich nie das Gefühl, einfach nur einer von vielen Schülern zu sein. Er hat mir gezeigt, dass man wachsen kann – ganz egal, wo man gerade steht. Ob im Training, gemeinsam auf der Bühne vor einer ausverkauften Stadthalle oder in Momenten, in denen es im Leben einmal nicht so leicht war: Thomas war da. Er war für mich nie nur ein Trainer. Er hat mir Halt gegeben, mich ermutigt und mich auf meinem Weg begleitet.
Und das tut er bis heute.
Später kamen viele Lehrgänge mit Meistern und Großmeistern dazu. All diesen Menschen verdanke ich einen Teil davon, wo ich heute stehe.

Was den TCN für mich ausmacht
Wenn ich heute in den Dojang komme und neue Kinder oder Erwachsene sehe, erkenne ich mich manchmal selbst wieder. Den kleinen Jungen, der sich damals nicht sicher war, ob er überhaupt durch diese Tür gehen sollte.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir eines besonders wichtig ist:
Jeder soll sich willkommen fühlen.
Die traditionellen Werte des Taekwon-Do sind für mich bis heute das Fundament. Aber genauso bin ich überzeugt, dass Lernen sich weiterentwickeln darf.
Durch viele Jahre auf der Trainingsfläche, zahlreiche Weiterbildungen und die tägliche Arbeit mit Kindern und Erwachsenen habe ich gelernt, dass Menschen am besten lernen, wenn sie sich sicher fühlen. Wenn sie Fragen stellen dürfen. Wenn sie sich ausprobieren dürfen. Und wenn sie Fehler machen dürfen.
Ich glaube sogar, dass genau dort Lernen beginnt. Deshalb gibt es bei uns eine offene Fehlerkultur. Niemand muss Angst haben, etwas falsch zu machen. Denn wer Angst vor Fehlern hat, hört irgendwann auf, Neues auszuprobieren.
Kinder brauchen Orientierung. Sie brauchen klare Grenzen. Aber sie brauchen genauso Vertrauen, Geduld und den Raum, ihren eigenen Weg zu finden.
Erwachsene übrigens auch.
Deshalb ist jedes Training für mich mehr als das Vermitteln von Techniken. Es geht darum, Menschen zu stärken.
Jeder auf seine eigene Weise.

Wofür ich den TCN aufbauen möchte
Ja, ich wünsche mir, dass der TCN wächst.
Weil ich möchte, dass noch viel mehr Menschen erleben, was Taekwon-Do mir gegeben hat: Selbstvertrauen, Stärke, Freundschaften – und Werte, die bleiben.
Ich wünsche mir einen TCN, in dem Menschen gerne zusammenkommen, gemeinsam lachen, Fehler machen, über sich hinauswachsen und ihren eigenen Weg finden.
Vielleicht sogar ein Stück weit sich selbst.
Im Student Oath heißt es:
„I shall build a more peaceful world.“
Heute verstehe ich diesen Gedanken so: Veränderung beginnt bei uns selbst – darin, wie wir miteinander umgehen und welche Werte wir jeden Tag leben.
Und genau dort schließt sich für mich der Kreis.
Vor 27 Jahren war ich der neunjährige Junge, der sich nicht getraut hat, durch die Tür einer Taekwon-Do-Schule zu gehen.
Heute stehe ich auf der anderen Seite dieser Tür.
Und ich möchte, dass jeder, der sie beim TCN zum ersten Mal öffnet, sofort eines spürt:
Du bist willkommen.


